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Fluggastrechte in der Corona-Krise: Das solltet ihr jetzt wissen

31. Mai 2021 | ⌚ Lesedauer: ca. 5 Minuten
Blick aus dem Flugzeug

Viele von euch machen sich derzeit Gedanken über die Urlaubsplanung und fragen sich, ob sie eine Flugreise trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie wagen sollen. Was passiert, wenn euer Flug coronabedingt ausfällt? Wie sollt ihr euch verhalten, wenn ihr bereits am Flughafen steht und die Airline die Beförderung annulliert oder lange Wartezeiten drohen? Wir haben recherchiert und
wesentliche Fakten für euch zusammengefasst.

Eure Rechte beim Flugverkehr

Wenn ihr mit dem Flugzeug verreist, seid ihr als Flugpassagiere im Rahmen der EU-Fluggastrechte-Verordnung 261/2004 in vielen Fällen vor unverschuldeten Kosten geschützt. Die Fluggastrechte sind eine Art Verbraucherschutz im Reiserecht und dienen zur Ergänzung eurer zivilrechtlichen Ansprüche. Eines der Hauptziele der Verordnung besteht darin, Airlines zu Entschädigungen zu verpflichten, wenn es im Flugbetrieb zu Unregelmäßigkeiten kommt. Damit ihr euch die EU-Fluggastrechte im Ernstfall zunutze machen könnt, müssen allerdings ein paar Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Euer Flug muss entweder innerhalb der Europäischen Union starten oder
  • in der EU landen und von einer Airline ausgeführt werden, die ihren Sitz in der EU hat.
  • Ihr seid nicht kostenlos oder zu einem reduzierten Preis geflogen, der nicht für die breite Masse bestimmt war. (Vergünstigte Tickets aus Vergleichsportalen schränken eure Rechte selbstverständlich nicht ein!)

Was sind meine Rechte bei Flugverspätung?

Ob Afrika, Asien oder Europa – die Corona-Pandemie hat den Flugverkehr in der Welt ordentlich durcheinandergebracht. Teilweise herrschte an den internationalen Flughäfen unheimliche Leere. Doch obwohl das Geschehen an den Airports inzwischen wieder Fahrt aufnimmt, werden Passagiere leider immer wieder mit Einschränkungen konfrontiert. Flugverspätungen sind im Vergleich zum Flugausfall zwar das kleinere Übel, ärgerlich kann es aber trotzdem werden, wenn ihr stundenlang an den Flughäfen ausharren oder womöglich in Hotels übernachten müsst und kostbare Urlaubszeit verliert. Wenn ihr eure Rechte kennt, könnt ihr euch zumindest eine Ausgleichsleistung für eure Unannehmlichkeiten sichern. 

Wie die Fluggasthelfer von Flightright erklären, habt ihr einen Entschädigungsanspruch bei Flugverspätungen ab drei Stunden. „Die Verspätungszeit wird anhand der Ankunftszeit berechnet. Die Ankunftszeit ist der Moment, in dem das Flugzeug den Zielflughafen erreicht und mindestens eine der Flugzeugtüren zum Ausstieg geöffnet wird“, heißt es im Verbrauchertipp ergänzend. Entscheidend ist also, mit wie vielen Stunden Verspätung ihr an eurem Reiseziel ankommt. Sind es mehr als drei Stunden, habt ihr laut EU-Fluggastrechte-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung zwischen 250 und 600 Euro – pro Passagier versteht sich!

Rücktritt: Bei mehr als fünf Stunden Abflugverspätung könnt ihr vom Flug zurücktreten und die Erstattung der Ticketkosten verlangen. Das kann beispielsweise Sinn machen, wenn ihr aufgrund der Verspätung einen Anschlussflug in einem anderen Land verpassen würdet und dort weitere Verzögerungen in Kauf nehmen müsstet. Wichtig hierbei: Die Erstattung ist unabhängig vom Entschädigungsanspruch – euch steht beides zu!
Anzeigentafel am Flughafen

Wann erhaltet ihr bei Flugverspätung eine Entschädigung? 

Der Knackpunkt für diesen Anspruch ist allerdings, dass die Fluggesellschaft verantwortlich für die Verspätung ist. Genau hier kann die aktuelle Situation Probleme verursachen, weil einige Airlines Verzögerungen im Flugplan mit der Corona-Krise als außergewöhnlicher Umstand begründen. Sind außergewöhnliche Umstände schuld an der Flugverspätung – dazu zählen zum Beispiel auch Terrorwarnungen oder Luftraumsperrungen – kann die Airline nicht dafür verantwortlich gemacht werden. Allerdings solltet ihr als Passagiere kritisch bleiben, denn nicht alles lässt sich auf die Corona-Pandemie abwälzen. Womöglich zielen Airlines lediglich drauf ab, die ansonsten fälligen Entschädigungszahlungen zu meiden und nutzen die Krise als Ausrede.

Generell gilt: Lasst euch den Grund für die Flugverspätung von der Fluggesellschaft schriftlich bestätigen! Seid ihr bereits am Airport, solltet ihr nicht gehen, bevor ihr das Dokument habt und darauf sowohl der Grund als auch die Zeitangabe der Verspätung bestätigt ist. Schaut euch außerdem aufmerksam am Flughafen um – womöglich findet ihr Hinweise auf anderweitige Ursachen für die Verspätung wie Informationen auf Anzeigetafeln, die ihr mit dem Smartphone als Beweis fotografieren könnt.

Zur Info: Flightright haben wir in der Vergangenheit bereits selbst genutzt und können wir als Unterstützung empfehlen. Das Unternehmen macht sich mit Reiserechtsexperten für eure Flugrechte gegenüber Fluggesellschaften stark. Habt ihr Probleme mit eurer Airline und kommt allein nicht weiter, könnt ihr euch an derartige Verbraucherportale wenden und eure Ansprüche mit Hilfe des Know-hows der Profis schneller durchsetzen.
Anzeigentafel am Flughafen

Wie viel Entschädigung könnt ihr bei Flugverspätung bekommen?

  • Muss sich die Fluggesellschaft für die Flugverspätung verantworten, bekommt ihr bei einem Kurzstreckenflug bis 1.500 Kilometer 250 Euro pro Person.
  • Bei Mittelstrecken bis 3.500 Kilometer steigt die Entschädigung auf 400 Euro.
  • Habt ihr eine Fernreise (ab 3.500 Kilometer) gebucht, stehen euch pro Kopf 600 Euro zu.

Hinzu kommen Versorgungsleistungen (z. B. Snacks und Getränke), wenn ihr bereits am Flughafen seid und warten müsst. Wird ein gebuchter Flug auf den nächsten Tag verschoben, muss die Airline für Hotel und euren Hin- und Rücktransport aufkommen. Sämtliche Belege solltet ihr gut aufbewahren!

Was tun bei annullierten Flügen?

Aufgrund der Corona-Pandemie sind viele Flüge nicht ausgelastet. Das hat in den vergangenen Monaten einige Fluggesellschaften dazu veranlasst, Flüge zu streichen. Werden derartige Annullierungen durchgeführt, spricht man von wirtschaftlichen Gründen und dafür muss sich die Airline gegenüber ihren Passagieren verantworten. Seid ihr betroffen, könnt ihr euren Entschädigungsanspruch (siehe Beträge oben) geltend machen – vorausgesetzt, die Airline hat euch weniger als 14 Tage vor Abflug informiert.

Doch was tun, wenn tatsächlich das Coronavirus als Annullierungsgrund vorliegt? Auch dann seid ihr nicht ohne Rechte. Das Coronavirus gilt laut Mitteilung der EU-Kommission vom 18. März 2020 zwar als außergewöhnlicher Umstand, der nicht im Verantwortungsbereich der Fluggesellschaften liegt, von der Rückerstattung eurer Ticketpreise sind diese jedoch nicht befreit. Sollte euer Flug also wegen Corona ausfallen, könnt ihr folgendes tun:

  • Den Ticketpreis von der Airline zurückverlangen.
  • Oder eine Ersatzbeförderung oder Umbuchung (auf späteren Zeitpunkt) fordern.

Die Airlines müssen eine dieser Alternativen anbieten. Außerdem wichtig: Bietet euch die Fluggesellschaft statt der Erstattung eurer Tickets einen Gutschein, müsst ihr diesen nicht annehmen. Ihr habt die Wahl: Sind Gutscheine für euch ok, könnt ihr sie selbstverständlich akzeptieren. Möchtet ihr lieber euer Geld zurück, dürft ihr darauf bestehen.

angaga beach

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Wir hoffen, dass wir euch mit dieser kleinen Zusammenfassung einen Überblick verschaffen konnten. Ergänzend dazu möchten wir euch noch eine Sache ans Herz legen: Schaut euch auf der Internetseite des Auswärtigen Amts um, bevor ihr Flüge bucht, um euer Risiko für coronabedingte Schwierigkeiten beim Flugverkehr zu minimieren. In den aktuellen Reisewarnungen findet ihr wichtige Hinweise zu weltweiten Reisezielen.

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