Myanmar

Mandalay und seine goldenen und weißen Pagoden

4. März 2015 | ⌚ Lesedauer: ca. 7 Minuten
mandalay pagoden

Die beiden Städte Yangon und Mandalay trennen stolze 650 km voneinander. Da die Infrastruktur in Myanmar bei Weitem nicht mit der in Europa vergleichbar ist, stellt diese Distanz beim Reiseweg über die Straßen ein mehrere Stunden dauerndes Abenteuer dar. Für uns stellte sich die Frage, ob wir den Weg nach Mandalay per Bus, Bahn oder Flug hinter uns bringen wollen.

Von Yangon nach Mandalay

Nachdem uns die Fahrt mit der Circle Line rund um Yangon die Vorzüge des myanmarischen Eisenbahnnetzes nähergebracht hatte und die Fahrt per Nachtzug einen Ritt über fast 15 Stunden in Aussicht stellte, verwarfen wir diese Option sehr schnell. Nach einem kurzen Gespräch mit der Rezeption unseres Hotels entschlossen wir uns für die Option Bus. Nur blieb noch die Frage zu klären, ob am Tag oder lieber in der Nacht. Unserem straffen Reiseplan war es mit geschuldet, dass wir uns ein Ticket für den Nachtbus nach Mandalay besorgen ließen. Zur Wahl standen unterschiedliche Uhrzeiten. Wir entschieden uns für den Bus um 21:00 Uhr, der uns in knapp acht Stunden nach Mandalay bringen sollte.

mandalay tipps

Anreise zum Busbahnhof

Da der März nicht zur Hauptreisezeit für Myanmar zählt, konnten wir relativ kurzfristig die Tickets für knapp 19.000 MMK erstehen. Grundsätzlich gilt allerdings, sich eher früher als später um ein Ticket zu kümmern. Unsere Reise startete vom Busbahnhof im Norden von Yangon, grob in Richtung des Flughafens. Bei der Fülle an Busunternehmen ist es ratsam, dem Taxifahrer vom Hotel den Namen geben zu lassen. Von unserem Hotel in Downtown Yangon lag das Busterminal eine gute Stunde Fahrtzeit und 10.000 MMK entfernt.

Von anderen Reisenden hatten wir bereits gehört, dass viele moderne Busse auf der Strecke eingesetzt werden. Doch was uns am Schalter von Boss Express erwartete, übertraf unsere Erwartungen bei Weitem: Ein sauberer Warteraum mit kostenfreiem WLAN und ein brandneuer Bus mit Liegesitzen und Entertainmentsystem, das man in der Form in Europa selten findet. Und kein Vergleich zu den doppelstöckigen Schlafbussen, die uns während unserer Reise durch Vietnam von A nach B brachten und schlaflose Nächte bereiteten. Da wir deutlich vor den empfohlenen 45 Minuten vor Abfahrt am Busbahnhof eintrafen, blieb uns noch Zeit das geschäftige Treiben zu beobachten.

mönch

Mit dem Bus über den Yangon-Mandalay Expressway

Nachdem uns im Bus noch Snacks und Getränke kostenlos serviert wurden, ging es los. Bei allem Komfort des Busses hätten die Straßen Myanmars noch schlaflose Nächte bedeuten können. Doch diese waren aufgrund des 2010 freigegebenen Yangon-Mandalay Expressway in deutlich besserem Zustand als erwartet. Ich spüre die Straße während ich gerade diesen Beitrag schreibe, doch es ist gut auszuhalten und vor unserem 30-minütigen Stopp nach 2,5 Stunden Fahrt habe ich Schlaf finden können. Da wir von fahrenden Kühltruhen auf den Straßen gehört hatten, steckten wir vorsorglich eigene Decken ein, doch auch im Bus lag für jeden eine Decke bereit. Trotzdem waren Hoodie, Schal und dicke Socken eine sehr gute Idee.

{Tipp}: Das Entertainmentsystem bietet einen USB-Anschluss, den ihr zum Laden verwenden könnt. Wenn ihr während der Fahrt Hunger bekommt, bietet der Rastplatz noch einige Essensmöglichkeiten und dank der vom Busunternehmen zur Verfügung gestellten Zahnbürsten samt Waschtuch muss auch eure Zahnpflege nicht ausfallen.

Mandalay und Umgebung

Mandalay selbst ist eine sehr quirlige Stadt – Grund genug, sich einen Fahrer zu nehmen (wir zahlten 35.000 MMK), um die schönen Orte in der näheren Umgebung zu erkunden. Nach dem Sonnenaufgang ging es für uns los. Das erste Ziel: Die U Bein-Brücke, die ihren Namen ihrem Auftraggeber verdankt.

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Die U-Bein-Brücke in Amarapura

Die U Bein-Brücke ist mit 1,2 km Länge die längste Teakholzbrücke der Welt. Die sich über den Taungthaman-See erstreckende Brücke bietet besonders in den Morgen- und Abendstunden schöne Bildmotive, z.B. von Einheimischen, die die Brücke mit dem Rad überqueren. Wir waren erst nach dem Sonnenaufgang dort, konnten allerdings trotzdem einige schöne Fotos schießen.

u bein brücke

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Fragwürdig: Die bekannte Mönchsspeisung

Ganz in der Nähe der Brücke findet um 10:15 Uhr die tägliche Mönchsspeisung statt. Der Lonely Planet warnte uns mit “better avoid” vor dem Besuch, aber da wir in der Nähe waren, schauten wir uns das Spektakel doch an.

mönchsspeisung

In zwei Reihen aufgestellt und von links und rechts von den Blicken mit der Kamera lechzenden Touristen umgeben, stellten sich die Mönche mit ihren Essenstöpfen auf – um diese wenige Sekunden später von den Reisenden mit Geld und Snacks befüllt zu sehen. Ein etwas skurriles Schauspiel. Manchen Mönchen ist dieses Ritual wohl so unangenehm, dass sie sich so spät wie möglich zum Essen begeben.

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Sagaing am besten morgens oder abends

Bereits am Vortag waren wir vor dem Sonnenuntergang in Sagaing und bestiegen einen der Berge, auf dem die Shin Pin Nan Khine-Pagode und ein wunderschöner Ausblick auf ein goldenes Pagodenfeld auf uns warteten. Ein sehr schweißtreibender Aufstieg, der uns in Form von Muskelkater noch am Folgetag in Erinnerung blieb. Am diesem Vormittag waren wir nochmals in Sagaing und auf einem anderen Berg. Doch den Zauber der Sonnenuntergangsstunden des Vortags mit Nebel im Tal fanden wir nicht wieder. Also am besten am Morgen oder Abend nach Sagaing fahren.

mandalay pagoden

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goldene pagode

Allein die Fahrt nach Sagaing ist schon ein kleines Highlight. Nicht nur die beiden Brücken über den Ayeyarwady-Fluss sind ein Hingucker, auch die Vielzahl an Pagoden auf den Hügeln der anderen Flussseite in Sagaing kann ein Lächeln auf das Gesicht zaubern.

goldene pagoden

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buddha

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Gegen Mittag ging es zurück nach Mandalay, denn wir wollten noch zur Phaung Daw Oo Schule und Mandalay weiter erkunden. Dass sich der Nachmittag jedoch anders entwickeln sollte, dass wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

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Zu Besuch in der Phaung Daw Oo Schule

Im näheren persönlichen Umfeld war bereits jemand vor mehreren Jahren in Myanmar, um an einer Schule in Mandalay Entwicklungshilfe zu leisten und die Patenschaft für eine Schülerin zu übernehmen. Diese Schülerin hat mittlerweile ihre Ausbildung abgeschlossen und ist in der Schule angestellt. Am frühen Mittag machten wir uns auf den Weg zu dieser Schule in der Hoffnung, diese inzwischen junge Frau zu finden, um ihr eine Botschaft überbringen zu können. Nach einigen Wirren fanden wir mit Hilfe unseres Fahrers das Schulgelände in der Nähe des Königspalastes. Die Phaung Daw Oo Schule, an der 6.000 bis 7.000 Kinder aus armen Familien lernen (ohne Schulgeld zahlen zu müssen) und zum Teil leben, war der Ort, nach dem wir gesucht hatten.

Da derzeit in Myanmar Sommerferien sind, waren nur wenige Schüler anwesend, doch diese musterten uns interessiert. Im Verwaltungshaus konnte uns jemand bei der Suche helfen. Doch die gesuchte Frau war nicht vor Ort. Nach einem kurzen Telefonat hatte die Suche aber ein Ende. Da die junge Frau in der Nähe des Schulgeländes wohnt, machte sie sich sofort auf den Weg, um uns zu treffen. In der Zwischenzeit unterhielten wir uns mit Mönchen, dem Schulpersonal sowie drei niederländischen Lehramtsstudenten, die ein Praktikum an der Schule absolvieren. Nach einigen Minuten trafen wir die junge Frau, schmissen unsere Tagesplanung über den Haufen und folgten ihrer Einladung nach Mingun, wo sie uns verschiedene Orte zeigte.

Noch heute wird die Schule vom Myanmar Förderverein e.V. mit Sitz in Saarbrücken unterstützt. Der Verein fördert die schulische Ausbildung von (Waisen-) und Kindern aus armen Familien.

Ausflug nach Mingun

Zusammen mit dem ehemaligen Patenkind eines Verwandten machten wir uns auf den Weg zum Jetty von Mandalay, um von dort in Richtung Mingun aufzubrechen. Mingun wird – Überraschung – aufgrund der dortigen Pagoden als Halbtagsausflugsziel empfohlen. Wie der Zufall so will, besitzt die Familie unserer myanmarischen Begleitung ein eigenes Boot, welches uns in knapp einer Stunde nach Mingun brachte. Bereits aus der Ferne sahen wir die durch ein Erdbeben zerstörte und nie vollendete Mingun-Pagode (Mantara Gyi-Pagode). Mit ihren 50 Metern Höhe überragt sie die umliegenden Bauwerke deutlich. Am Ufer angekommen, erwartete uns eine ganze Schar Einheimischer mit Ständen und den obligatorischen Souvenirs. Wir fühlten uns direkt wie im Tourigebiet angekommen.

mingun

{Tipp}: Für das Areal ist ein Zoneneintritt in Höhe von 3.000 MMK zu zahlen. Das Ticket könnt ihr euch allerdings getrost sparen, da das Gelände zum einen offen ist und zum anderen niemand nach Tickets fragt.

Mingun-Pagode (Mantara Gyi-Pagode)

Barfuß erklommen wir die Mingun-Pagode über die steilen Treppen. Oben angekommen, kletterten und liefen wir über die durch das Erdbeben heruntergefallenen Steinblöcke. Es ist wirklich faszinierend, dass das gesamte Bauwerk aus Ziegelsteinen gebaut wurde. Auf dem Dach der Pagode genossen wir die Aussicht auf den Fluss und die umliegende Landschaft.

mingun pagode

Die größte hängende Glocke der Welt

Nach dem größten Ziegelhaufen der Welt ging es zur größten funktionstüchtigen Glocke der Welt. Nach dem Ticket wurden wir nicht gefragt und nach wenigen Minuten zog es uns bereits weiter. Der Himmel verdunkelte sich, das lag nicht nur an der Uhrzeit. Es sah nach Regen aus und wir sollten bald zurück zum Boot. Aber ein Stopp stand uns noch bevor.

Die Hsinbyume-Pagode (Myantheindan-Pagode)

Die Pagode beeindruckte uns besonders durch ihre strahlend weißen wellenartigen Terrassen. Spuren eines Erdbebens sind vor allem im Außenbereich zu sehen. Die ehemaligen Torbögen sind halb zerfallen, versprühen dadurch allerdings einen einzigartigen Charme.

Hsinbyume-Pagode

Da der Himmel zu grollen begann, brachte uns ein Pick-up zurück zum Boot. Gefühlt war das einer der teuersten Trips unserer bisherigen Reise. Für die knapp vierminütige Fahrt verlangte der Fahrer 3.000 MMK. Das gab Karma-Minuspunkte, aber wir mussten los und wollten nicht diskutieren.

Hsinbyume-Pagode

Kurz vor Mandalay begann es zu regnen. Und nachdem wir uns von unserer Begleitung verabschiedet hatten, fegte plötzlich ein Sandsturm durch die Straßen und riss allerlei Kleinigkeiten mit sich. Im Hotel angekommen, hieß es erstmal Füße waschen. Den Abend ließen wir dann im Restaurant Mann (83rd Street) ausklingen.

Hsinbyume-Pagode

Hsinbyume-Pagode

Hsinbyume-Pagode

Hsinbyume-Pagode

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