Kambodscha

Phnom Penh

17. Januar 2016 | ⌚ Lesedauer: ca. 6 Minuten

Von Siem Reap und den Tempeln von Angkor ging es weiter mit dem Bus in die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh. Mit im Gepäck waren viele bleibende Erinnerungen an einen magischen Ort.

Siem Reap und Phnom Penh trennen etwa 316 Kilometer oder sieben Stunden Busfahrt mit einer obligatorischen Pause von etwa 30 Minuten voneinander. Pro Person zahlten wir für die Fahrt mit Mekong Express 13 USD, bekamen dafür einen komfortablen Bus mit kleinem Snack, Erfrischungstuch und Wifi.

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Der National Highway 6 verbindet die beiden Städte und ist eher mit einer einspurigen Landstraße als mit einer Autobahn zu vergleichen. Teilstücke der Straße werden gerade renoviert, weswegen die Fahrt auch mal ein paar Minuten über eine rötliche Schotterpiste fortgesetzt wird. Das klingt erstmal abenteuerlicher als es tatsächlich ist und die Fahrt ist mit ein wenig Schlaf schneller vorbei als gedacht.

Mit einem Remork ging es nach unserer Ankunft in Phnom Penh vom Mekong Express Busbahnhof zu unserem Hotel im Süden der Stadt. Hierfür zahlten wir vier USD. Bestimmt könnt ihr den Preis etwas drücken, wenn ihr euch bis auf die Straße durchkämpft und ein vorbeifahrendes Remork anhaltet.

Erste Eindrücke von Phnom Penh

Thi-So von i-am-a-tourist bezeichnet Phnom Penh als das Berlin Asiens und irgendwie hat sie damit recht. Ähnlich wie Berlin hat Phnom Penh eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Die einstige Perle Südostasiens wurde während der Schreckensherrschaft der Roten Khmer zur Geisterstadt und ist seit den 1990er Jahren im Aufbruch. Die Hauptstadt Kambodschas musste sich neu erfinden, um die Vergangenheit hinter sich zu lassen und in eine bessere Zukunft zu blicken.

Überall wird gebaut und Stadtteile ändern rasch ihr Gesicht. Davon kann auch Berlin ein Lied singen. Was Phnom Penhs Preah Suramarit Boulevard und Preah Sihanouk Boulevard ist, ist Berlins zentrale Prachtstraße Unter den Linden. Im Süden der Stadt, rund um die 63. Straße, sieht es ein wenig aus wie im Prenzlauer Berg mit stylishen Cafés (in denen ein Kaffee zum Teil aber teurer ist als in Berlin), hippen Restaurants und kleinen Boutiquen. Abseits des Stadtzentrums wird es dann aber ganz schnell wieder dörflicher.

Nur die vielen (wahrscheinlich auf Pump gekauften) weißen SUVs, vor allem Landrover und Range Rover gibt es in dieser Anzahl in Berlin nicht, ebenso wie die durchnummerierten Straßen. Diese machen es übrigens deutlich einfacher, sich zurechtzufinden.

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Am Unabhängigkeitsmonument

Kurz nach Sonnenuntergang spazierten wir zum Unabhängigkeitsmonument, dessen Form den Türmen von Angkor Wat sehr ähnlich sieht. Vom nahegelegenen Neak Banh Teuk Park, mit Blick auf die riesige Statue des ehemaligen Königs und Staatsoberhaupts von Kambodscha, Norodom Sihanouk, beobachteten wir das Treiben um uns herum.

Der kleine Grünstreifen zwischen dem Preah Suramarit Boulavard und dem Preah Sihanouk Boulevard wird für allerlei sportliche Aktivitäten genutzt. Von Skateboarding, Fußball und BMX reicht die Bandbreite bis hin zu einer großen Gruppe von Läufern, die in der abendlichen Wärme an ihren Körpern feilt.

Phnom_Penh_002 Phnom_Penh_007Unabhängigkeitsmonument in Phnom Penh

Im kambodschanischen Nationalmuseum

Nachdem wir am Vorabend die Stadt im Abendlicht kennengelernt hatten, stand eine Erkundung bei Tageslicht an. Wir liefen eine ungefähr ähnliche Route mit dem Nationalmuseum als Ziel.

Einige Meter begleitete uns ein Remork-Fahrer, der uns nur zu gerne für einen “cheap price” mitnehmen wollte. Wie wäre es mit den Killing Fields oder einem Schießstand? (Einem Schießstand?!?) Der Königspalast hätte ja (was auch stimmt) sowieso bis 14:00 Uhr geschlossen. Doch dort wollten wir erstmal gar nicht hin.

Der Weg zum Museum führte uns am Königspalast vorbei. Am Nationalmuseum angekommen, lösten wir für je 6 USD die Tickets.

Im Museum erwarteten uns diverse Exponate aus den Tempeln von Angkor und anderen Stätten, zeitlich nach Epochen sortiert. Es ist eine schöne Sammlung, doch für ein Nationalmuseum von seiner Größe her überschaubar. Bereits nach knapp 1,5 Stunden hatten wir alles gesehen, ohne dabei “gerannt” zu sein.

Im Innenhof des Museums verbrachten wir noch einige Minuten, bis wir uns auf den Weg zur silbernen Pagode innerhalb des Königspalastes machten. Dort angekommen, wurde uns die Größe des Areals bewusst und wir schwenkten kurzfristig zum Besuch der Killing Fields um, da am 7. Januar der Tag der Befreiung gefeiert wird.

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Die Killing Fields von Phnom Penh

Während der Herrschaft der Roten Khmer von 1975 bis 1979 kam es im Land zu breit angelegten “Säuberungen”, deren trauriges Zeugnis die Killing Fields südlich von Phnom Phen darstellen. Bei Weitem ist der Choeung Ek genannte Ort nicht die einzige Stätte, in denen Kambodschaner Kambodschaner ermorderten.

Mit dem Audioguide ausgestattet, bewegten wir uns entlang der Stationen über das Gelände, vorbei an Massengräbern und dem Baum, an dem Babys und Kleinkinder zerschmettert wurden. Die traurige Geschichte Kambodschas während des Terrorregimes von Pol Pot und seinen Roten Khmer wird hier so eindrucksvoll wie bewegend vermittelt. Immer wieder trieben uns die Schilderungen von Zeitzeugen die Tränen in die Augen.

Der Eintritt für die Stätte beträgt 3 USD. Für weitere 3 USD könnt ihr den empfehlenswerten Audioguide mit dazu buchen. Für den Besuch der Killing Fields solltet ihr vor Ort mindestens 2,5 Stunden einplanen, dazu kommt die Anfahrt, die eine knappe halbe Stunde pro Strecke beansprucht. Mehrmals am Tag wird im angeschlossenen Museum ein 15-minütiger Film über die Killing Fields gezeigt. Weitere Informationen zum Choeung Ek Genocid Memorial findet ihr auf der offiziellen Website.

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Zeitlich verschätzten wir uns etwas, weshalb wir das als S-21 bekannt gewordene (Folter-)Gefängnis nicht mehr am selben Tag besuchen konnten.

{Tipp}: Es ist sinnvoller, erst das S-21 Gefängnis zu besuchen, bevor ihr zu den Killing Fields fahrt. Das ist der traurige Weg, den viele “Gegner” des Regimes gehen mussten.

Die Geschehnisse in Kambodscha wurden bereits 1984 im Film “The KillingFields” behandelt. Diesen Film können wir euch empfehlen, wenn ihr mehr über die Jahre unter den Roten Khmer erfahren möchtet.

Das S-21-Gefängnis

Schulische Bildung war unter den Roten Khmer nicht vorgesehen und nach der Evakuierung Vertreibung der Stadtbevölkerung aufs Land war Phnom Penh von einem Tag auf den anderen so gut wie ausgestorben. Teile der bestehenden Infrastruktur wurden von nun an anders genutzt. So auch eine Schule, die als S-21-Gefängnis berüchtigt werden sollte.

Das Gefängnis, das auch unter dem Namen Tuol-Sleng-Genozid-Museum bekannt ist, liegt mitten im Stadtzentrum und ist auch heute noch von Stacheldraht umgeben. Während des Regimes der Roten Khmer wurden hier Männer, Frauen und deren Kinder so lange gefoltert, bis sie sich zu Verbrechen an der Revolution schuldig bekannten. Nachdem “Geständnisse” vom Angeklagten unterzeichnet waren, erfolgte der Transport zu den Killing Fields außerhalb der Stadt, wo auf sie der sicherere Tod wartete.

Die Schilderungen von Überlebenden, von denen bei unserem Besuch einer auf dem Gelände anwesend war, sind erschütternd. Die Qualen der Gefangenen müssen unbeschreiblich furchtbar gewesen sein.

Auch die gerichtliche Aufbereitung der Jahre zwischen 1975 und 1979 ist Thema im Museum. Eine zentrale Person im Zusammenhang mit dem S-21 ist der ehemalige Gefängnisleiter “Duch” (bürgerlich: Kaing Guek Eav). Nachdem er eine Beteiligung an den Verbrechen lange Zeit von sich gewiesen hatte, bekannte er sich im Rahmen seines Prozesses doch für schuldig und wurde (erst!) im Jahr 2010 zunächst zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt. Dieses Urteil wurde anschließend revidiert und auf “lebenslänglich” geändert.

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Weitere Sehenswürdigkeiten

Im vorauseilenden Gehorsam holte unser Hotel nicht die Abfahrtszeiten für den Bus nach Kampot am kommenden Tag ein, sondern buchte uns direkt die Tickets. Entsprechend konnten wir in den 1,5 Tagen Phnom Penh nicht alles sehen, was die Stadt geboten hätte.

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So hätten wir uns mit etwas mehr Zeit sicherlich den Russischen Markt (Phsar Toul Tom Pong) angeschaut, der seinen Namen den vielen russischen Marktbesuchern in den 1980er Jahren verdankt. Zusätzlich stand auch die silberne Pagode und der Königspalast auf unserer Liste, doch aus zeitlichen Gründen fielen diese Besichtigungen ebenso ins Wasser wie der Norden der Stadt mit den quirligen Street-Food-Ständen in der Nähe des Nachtmarkts.

Quick Facts Phnom Penh:

⋅ Hauptstadt Kambodschas
⋅ Ca. 1,5 Mio. Einwohner
⋅ Phnom Penhs Flughafen befindet sich 7 km westlich des Stadtzentrums
⋅ Fahrt mit dem Taxi vom Flughafen ins Stadtzentrum kostet ab 9 USD und dauert ca. 30 Minuten
⋅ Fahrt mit dem Remork Moto vom Flughafen ins Stadtzentrum kostet ab 7 USD und dauert ca. 30 Minuten
⋅ Busfahrt nach Kampot dauert etwa 3 Stunden und kostet um die 13 USD mit Giant Ibis
⋅ Busfahrt nach Siem Reap (316 km) dauert etwa 7 Stunden und kostet um die 13 USD mit Mekong Express

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3 Kommentare

  • Reply Norman 20. Januar 2016 at 22:35

    Da muss ich auch hin! Tolle Bilder, wir würden die Reise einfach genau so machen wie ihr.

  • Reply Thiso 21. Januar 2016 at 14:11

    Wow, schöne Bilder (besonders das Abendlicht…) und toll Bericht! Es muss intensiv gewesen sein, die Killing Fields zu besuchen. Ich habe auch deinen Vergleich zwischen die Straßen von Phnom Penh und Berlin geliebt! :D

    • Reply Kathleen 23. Januar 2016 at 23:56

      Danke für die Inspiration, Thi-So :) Der Besuch der Killing Fields und des S-21 war sehr emotional für uns, aber auch sehr lehrreich.

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